dream archive.

A loose archive of dreams, notes and fragments

… part research, part memory, part fiction.

Ein Gespräch in der Bahn

Eine vier-köpfige Familie.

Sie: “Könnt ihr bitte alle ruhig sein. Ich habe Kopfschmerzen! “

Alle reden weiter.

Sie lauter: “Jetzt seid doch mal still! Ich hab schon eine Kopfschmerztablette genommen und habe Nackenschmerzen vom arbeiten.”

Es ist kurz ruhig. Sie: “Was hast du jetzt eigentlich für eine Karte gekauft? “

Er: “3 Zonen.”

Sie: “Nein, 2 Zonen. Habe ich gesagt.”

Er: “Nein 3 Zonen.” Pause “Du hast es falsch gesagt. “

Sie: “Nein ich hab es richtig gesagt.”

Er: “Du schwätztst so viel. Da kann man gar nicht wissen was da richtig und falsch ist.”

Sie: “Du hörst halt schlecht. Brauchst ein Hörgerät.”

Er: “Ich hör dir einfach nicht mehr zu.”

Der kleine Junge redet mit seinem kleinen Bruder und sie haben Spaß. Offensichtlich versuchen sie die Situation auf zu lockern.

Er: “Jonas kannst du bitte mal 5 Minuten still sitzen? Einfach nichts machen und still sein. Ausnahmsweise? “

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Ein junges paar steigt ein. Die Kinder noch nicht da.

Sie sind zuvorkommend.. Er ausser Atem.

Er: “Geld lass stecken.”

Sie: “Danke.:

Sie lernen sich erst kennen.

Identität ist mehr
als nur ein Pass.

Identität ist kein Pass.

Kein Muttersprachentest.

Kein „Du musst dich entscheiden.”

Identität ist Widerspruch.

Es ist möglich,

zwei Dinge gleichzeitig zu sein

und manchmal nichts davon.

Identität ist ein Prozess.

Kein Etikett.

Keine Zahl im Formular.

Sondern das, was du behauptest,

obwohl es keiner hören will.

Manchmal ist Identität laut.

Manchmal ist sie nur ein Blick.

Manchmal ist sie nur Trotz.

Aber sie gehört dir.

Auch wenn du sie täglich neu zusammensetzen musst.

Was ist so falsch daran

Was ist so falsch daran,
einen Menschen zu küssen
und dabei genau das zu empfinden,
was man empfinden möchte?

Was ist daran so falsch,
einen anderen Menschen zu küssen
und dabei nur an den einen zu denken?

Was hat man falsch gemacht,
wenn sich jede Berührung genau richtig anfühlt
und man glaubt,
dass die Berührungen des anderen sich auch für ihn
genau richtig anfühlen müssen?

Ist es verkehrt zu glauben,
dass das zumindest für den Moment
genau das ist,
was man empfinden möchte?

Ist so viel falsch daran,
danach kämpfen zu müssen?

Und wie viel ist falsch daran,
immer und immer wieder
Abweisungen einstecken zu wollen?

Dafür zu kämpfen,
die Abweisungen ganz persönlich gewinnen zu können.

Sie zu inszenieren,
damit es sich nicht nach Schmerz,
sondern nach Entscheidung anfühlt.

Kann man verstehen,
dass alles, was man macht,
nicht dem eigenen Wohl dient,
sondern dem Schlechten?

Nicht dem Menschen in dir,
sondern der Bestie,
die sich windet
und nur darauf wartet,
abgewiesen und abgewiesen
und zerschmettert zu werden.

Denn wenn du geliebt werden wollen würdest,
dann würdest du liebevoll handeln.

Nicht unterwürfig.
Nicht wie eine Schlampe.
Nicht wie deine Mutter
oder seine Mutter
oder irgendeine Mutter,
sondern wie DIE Mutter.

Frei von Sorgen,
frei von Hass
und Weltschmerz,
hin zu der Perfektion,
die keiner
und jeder will.

Ruf ihn noch mal an.
Und noch mal.
Frag, wie es ihm geht.
Frag, ob er noch etwas braucht.
Frag ihn, ob du ihm helfen kannst
oder ob er dir helfen kann.

Fragt euch gegenseitig
und fresst euch auf!

Oder auch nicht.

Weil du alles daran getan hast,
nicht einmal du selbst zu sein.

Paris

Eine Frau, die sich in ihrer Beziehung langweilt,

möchte nach Paris.
Doch die Männer um sie herum bringen sie immer woanders hin.

Niemals nach Paris.

Er weiß, dass sie ihn betrügt.
Aber statt es anzusprechen,

wird er zärtlich. Harmoniesüchtig.

Hilfsbereit bis zur Selbstauflösung.

Er kauft ihr einen Helm,

weil er gehört hat,

dass sie mit einem anderen Mann Fahrrad fährt.

Ein Traum im Schnee

Er ist gekommen.
So schön, dass er da ist.

Ich würde mich gern zu ihm legen,
aber ich muss noch den Dreck wegräumen.
Wir haben gegessen und ich muss noch alles wegräumen.

Er bittet mich, zu ihm zu kommen.
Er schaut mir dabei zu.
Aber nein, ich muss noch aufräumen.

Ich laufe raus und muss noch etwas erfahren.


Ein Fernseher erzählt etwas über Russland,
über Eiskunstlauf
und über Islamisierung.

Hier passiert viel
und ich muss durch diesen Schnee laufen.
Zum Glück schützt mich der Wald,
aber gleich werde ich ganz vom Schnee umgeben sein.

Ich komme zurück.

Er war so nett und hat die Tische abgewischt.
Jetzt liegt er halb auf dem Sessel.
So gutaussehend.

Ich gehe zu ihm
und möchte ihn küssen.
Er stößt mich weg.

Wenigstens kann ich ihn umarmen,
wenn ich ihn schon nicht küssen darf.
Ich schmiege mich an seine Brust.
Mache die Augen zu.

Er geht weg.

Ich laufe ihm ohne Jacke hinterher.
Auf dem Weg treffe ich zwei Menschen.
Mit ihnen kann ich über das Eiskunstlaufen sprechen.

Es schneit und es ist warm.
Schnee soll kalt sein.

Aber ich will ihn spüren.
Er sieht so hell und schön aus.
Und der Wald ist dunkel.

Auch ohne Jacke
möchte ich in den Schnee.

Alle sprechen übers Wetter.
Wir nicht.

Zeiten in denen Rosenverkäufer
keinen Job mehr haben

Die Zeit, in der Rosen blühen,
weil sie es möchten – ganz allein,
nicht, weil sie müde Hände tragen
für zwei Euro in die Nacht hinein.

Die Zeit, in der wir morgens gehen,
ohne uns im Kopf zu drehen,
nicht fragen: War ich falsch genug?
sondern: Was wird heute gut?

Die Zeit, in der wir nicht mehr warten,
nicht an Türen, nicht am Rand,
in der wir einander reichen
eine feste, warme Hand.

Die Zeit, in der kein Blick mehr misst,
ob unser Lächeln schön genug ist,
in der wir sprechen, klar und frei,
und keiner redet an uns vorbei.

Dann geht es nicht um ihn, nicht immer,
nicht um Schuhe, Kleid und Schein,
sondern um das, was uns bewegt:
die Welt, die Wut, das Großsein.

Um Politik, Philosophie,
um Träume, Mut und Widerstand,
um alles, was wir in uns trugen,
bis es seinen Ausdruck fand.

Die Zeit, in der wir endlich leben
und keine Angst mehr haben.
Die Zeit, in der aus Mädchen Frauen werden
und jede ihren Platz kann haben.

Die Zeit, in der du aufwachst, groß,
und nichts mehr an dir kleiner machst,
und sagst, ganz ruhig, ganz ohne Trotz:

“So bin ich nun.
So werde ich auch bleiben.“